Wir sind hier um zu lernen

Phillip Tonn aus Neukirchen ist im internationalen Motorradgeschehen angekommen. Als einziger deutscher Starter wurde er zum Red Bull Rookies Cup eingeladen und zeigte am Wochenende in Jerez (Spanien) sein aktuelles Können. "Es war schwer. Die vielen Eindrücke und Emotionen waren schon wahnsinnig viel für Phillip", erklärt sein Trainer und Mentor Dirk Heidolf, der den 13-jährigen begleitet. Das Nachwuchstalent fährt dabei eine KTM RC250R mit 53PS. "Er ist einfach noch zu klein und zu leicht für das Bike, das haben wir deutlich gemerkt." Mit 12 Kilo Zusatzgewichten wurde die KTM samt Fahrer auf Mindestgewicht gebracht. Auch Tonn hatte damit noch zu kämpfen: "Es fällt mir schwer, die Linie auf der Strecke zu halten, weil das Motorrad ausbricht. Damit fehlt mir dann der Windschatten." Insgesamt waren 16 Rennrunden zu je 4,4 km zu bewältigen, 22 internationale Fahrer standen am Start.

   

Fotos: Gold & Goose/Red Bull Content Pool

Zum Rennen am Samstag siegte noch die Nervosität: "Den Start hab ich ganz schön verhauen", resümierte der Neukirchner nach der Zieleinfahrt. "Beim zweiten Rennen, am Sonntag, war ich schon ruhiger. Damit lief alles entspannter." So wich die anfängliche Enttäuschung einem neuen Zielbewusstsein. "Mit einem 19. und einem 18. Platz sind wir noch ein Stück von den Punkterängen entfernt. Da gilt es jetzt, anzusetzen und uns hinzuarbeiten", setzt Heidolf neue Ziele. "Die Differenz zu den anderen Jungs wird geringer, Phillip braucht aber ganz klar noch Fahrpraxis. Er war der einzige im Feld, der noch nie ein Moto3-Rennen bestritten hat." Die Konkurrenz fährt parallel zum Red Bull Rookies Cup u.a. im European Talent Cup und der Junioren WM. "Wir müssen jetzt ganz viel fahren, um die KTM besser zu verstehen und Konstanz zu schaffen. Aber wir sind schließlich hier, um zu lernen", so Heidolf. "Speziell die Richtungswechsel bei über 160 km/h sind noch eine Aufgabe. Das ist nicht zu unterschätzen, was da vom Fahrer verlangt wird."

Zuerst geht es aber zurück in die Schule. "Streckensprache ist Englisch, ich muss auch nach jedem Turn zum Mechaniker und alles erklären. Mal schauen, wie das die Englischzensur in der Schule aufbessert", erzählt Tonn augenzwinkernd.

Das nächste Rennen steht am 1.6. in Mugello (Italien) auf dem Plan. Dirk Heidolf hat dazu auch schon einen Trainingsplan für seinen Schützling aufgestellt: "Er muss jetzt Playstation spielen bis zum Umfallen." Das nimmt der Nachwuchsrennfahrer natürlich gern an. "Die Strecke ist eine der schwierigsten im Kalender - sehr viele Richtungswechsel, Berg hoch und runter, blinde Kurven - da muss man vorbereitet sein." Und mit Rennspielen auf der Konsole üben schließlich selbst die Fahrer der MotoGP noch immer die Streckenführung.

Text: Anja Meyer

Technische Probleme und Sieg am letzten Rennwochenende



Mit 149 Punkten und Platz 4 beendete Phillip Tonn seine Rennsaison im spanischen Hawkers Cup. Dazu startete er zum letzten Wettkampfwochenende auf dem Circuito di Almeria.

"Vor einem Jahr hatte ich hier meinen ersten Gaststart absolviert und bin damals zweimal Vierter geworden" erinnert er sich. Diesmal zeigten sich die Vorzeichen zunächst nicht gut. Am Freitag standen Trainingsläufe an. Nachdem der erste Turn zufriedenstellend verlief, machte der zweite Start den Rest des Tages zunichte. "Nach wenigen Runden bin ich in einer Kurve bei 110 km/h gestürzt. Das Vorderrad war wegen zu viel Shattering weggerutscht" fasst er zusammen. Die anschließenden Reparaturarbeiten brachten die Mechaniker ins Schwitzen. An Training war nicht mehr zu denken. "Sagen wir mal so, die Nacht war kurz" berichtet Trainer und Mentor Dirk Heidolf vom Wiederaufbau des Bikes bis drei Uhr nachts.

Im nachfolgenden Qualifikationslauf am Samstag musste Phillip zunächst einen neuen Motor einfahren. "Da muss ich bestimmte Drehzahlbereiche einhalten und konnte so keine schnelle Runde setzen." Glück im Unglück: Da die Zeitnahme im gesamten Feld nicht funktionierte, konnte sich auch die Konkurrenz nicht absetzen. So blieb noch ein Versuch, einen guten Startplatz zu ergattern. "Es lief nur mittelprächtig. Platz 9 von 16 Startern ist für mich ungewohnt. Da hatte ich richtig Angst, dass ich den Platz nicht finde" scherzt er.

Der Rennsonntag begann versöhnlich mit einem guten WarmUp. Der 13-jährige fuhr die zweitbeste Zeit des Feldes. "Dafür hab ich im ersten Rennen den Start versemmelt und kam als Vorletzter in die erste Kurve" schüttelt er über sich selbst den Kopf. Nach einer Runde lag er dafür schon auf Platz 4. "Und dann ging vor der Box einfach der Motor aus. Ich wollte es gar nicht glauben" ist er entsetzt. Nach einem kurzen Schrauber-Stopp in der Box konnte er - mittlerweile überrundet - das Rennen wieder aufnehmen. Die Konkurrenz konnte er einholen und wiederum überrunden, so kam er schließlich noch als 12. ins Ziel. "Das hat mich wahrscheinlich den dritten Platz in der Meisterschaft gekostet."

Dafür nutzte er sein letztes Hawkers-Rennen für seine persönliche Wiedergutmachung. "In der ersten Kurve war ich auf Platz 10, bei der ersten Zieldurchfahrt auf 1. Ich konnte in einer Runde alle anderen überholen" ist er stolz. Es folgten viele Rennrunden mit Überholmanövern der Jungen: "Ein ewiges Hin und Her. Ich war so froh, als die letzte Runde angezeigt wurde." Die beiden letzten und entscheidenden Kurven setzte er sich mit mutigem Bremsverhalten durch. "Der Sieg hat richtig gut getan" jubelt er über den letzten Pokal des Jahres. "Gerade mal 6 von 12 Rennen liefen dieses Jahr ohne Sturz oder technische Probleme. Dafür ist der 4. Platz im Cup schon toll."



Nun freut er sich auf die Vorbereitungen für das nächste Jahr. Viel Training steht im Winter an, bevor es 2019 im Red Bull Rookies Cup auf die internationale Rennbühne geht. Dabei sind Fitness- und auch Fahrtraining wichtig. "Bis Weihnachten werden wir noch mindestens dreimal in Spanien testen gehen. Und mit den Ergebnissen in Deutschland weiterarbeiten" rechnet Dirk Heidolf die anstehende Arbeit vor. Ob neben dem Rookies Cup noch eine weitere Rennserie in Phillips Programm genommen wird, ist dabei noch völlig offen. "Mal schauen, was sich anbietet und auch terminlich machbar ist."

Sieg und Platz 2

In Valencia gastierte der Hawkers Cup und bescherte Pokale und Selbstbewußtsein. "Wir waren erst zum zweiten Mal auf der Strecke, und schon das Training am Freitag war richtig gut", blickt Phillip zurück. So setzte er schon in seiner Qualifikation zügig eine gute Zeit und führte lange Zeit die Liste an. Letztlich schnappte sich Teamkollege Alberto Fernandez noch die Bestzeit und setzte Phillip damit auf Startplatz 2.
Von dort erwischte er im ersten Rennlauf einen guten Start und konnte sich gleich vorn im Feld platzieren. Ab der dritten Runde sicherte er sich die Führung, die es nun zu verteidigen galt.
"Wir waren eine Gruppe von sechs Fahrern, da wird natürlich um jeden Meter gekämpft. Aber es hat alles gepasst, von der Technik und vom Gefühl, und so konnte ich das erste Rennen gewinnen", strahlt er über seinen Pokal. "Ich hatte jetzt eine ganz schön lange Durstpause, da tat das wieder gut."
Beim zweiten Wertungslauf des Tages verpasste er etwas den Start und reihte sich so zunächst auf Platz 7 ein. Doch schon nachdem er die 4 Kilometer lange Strecke zum zweiten Mal umrundet hatte, fand er sich auf Position zwei wieder und konnte sich vom Feld absetzen. Der führende Alberto Fernandez lag schon weit vorn. "Da konnte ich dann ein bisschen das Gas rausnehmen und den zweiten Platz sicher über´s Ziel bringen", freut sich Phillip. Und genau so sein Trainer Dirk Heidolf: "Das war bis vor Kurzem eine offene Baustelle, Rennen nicht über´s Knie zu brechen. Phillip ist deswegen oft genug gestürzt. Nun hat er gelernt, ein Ergebnis auch mal zu verwalten."

     

Nur eine Woche hat der Sechstklässler nun Zeit, verpassten Schulstoff nachzuholen, dann geht der nächste Flieger schon wieder nach Spanien. "Ich bin eingeladen, an der Sichtung zum Red Bull Rookies Cup teilzunehmen", freut er sich. In der ersten Oktoberwoche werden 105 internationale Nachwuchsfahrer in Spanien antreten, um einen der heiß begehrten Plätze zu ergattern. "Pro Jahr werden 10 bis 15 Fahrer genommen. Die Auswahl ist hart." Der Red Bull Rookies Cup gilt als Sprungbrett in die Weltmeisterschaft. Der Sieger eines Jahres erhält einen Platz in einem Moto3-Team. "Ich bin einer von 5 deutschen Fahrern, deren Bewerbung zur Sichtung angenommen wurde. Mal schauen, wie weit ich komme."

Motorschaden und Sturz

Am Wochenende 27.-29. Juli waren wir in Navarra bei super heißen Temperaturen um die 38 Grad. Wir fuhren mit großen Erwartungen zu dieser Rennstrecke im Norden von Spanien. Mit neu revidiertem Motor sollte es richtig los gehen. Doch leider kam alles ganz anders.

Am Freitag im freien Training hatte ich technische Probleme mit der Schaltwelle. Das bedeutet daher wenig Fahrzeit auf der neuen Strecke. Somit war es für mich schwer den richtigen Rhythmus zu finden.

Am Samstag konnte ich dann meine Leistung um einiges steigern. Mein Team und ich waren sehr zufrieden mit Startplatz 4.

Bei nur minimalem Rückstand zu P1 startete ich optimistisch ins 1. Rennen. Ich wusste, das kann mal wieder richtig gut werden. Doch es kam anders als ich glaubte. Ich rollte nach der Einführungsrunde auf meinen Startplatz und mein Motorrad ging aus. Und es war trotz aller Bemühungen meines Teams nicht wieder an zu bekommen. Somit musste ich die Startaufstellung verlassen und die anderen Piloten starteten ohne mich. Das war echt bitter. Mit so viel Hoffnung und einer Zeit, welche für P2 gereicht hätte, musste ich beim Rennen zuschauen. Ich danke meinen Team, die über Nacht mein Bike wieder reparierten, es hatte ein Motorschaden und es musste sehr viel geschraubt werden. Danke an alle.

        

Am Sonntag fuhr das Bike dann wieder. Ich war enorm aufgeregt vor dem Rennen, da ich wertvolle Punkte in der Gesamtwertung am Vortag verloren hatte. im Rennen wollte ich gleich um die Spitze mitkämpfen und stürzte auf Platz 4 liegend. Ich konnte das Rennen zwar noch fortsetzen, jedoch der 13. Platz war nicht das, was ich wollte. Nun ja … so ist Rennsport.

Vielen Dank an alle, die mich unterstützen!

Heiße Bedingungen zum 3.Rennen in Albacete

Auf der mir schon bekannten Strecke (Frühjahrstest des Cup´s) hier in Albacete im zentralen Spanien fanden wir sehr heiße Bedingungen vor. Wir hatten teilweise 50° Asphalttemperaturen und Außentemperaturen von mehr als 32°. Ich freute mich nach der etwas längeren Pause wieder auf das Fahren und war somit top motiviert schon auf dem Weg nach Spanien.

Wir sind das erste mal mit unserem Wohnwagen und Transporter zum Rennen nach Spanien gereist, um für mich noch bessere Bedingungen zu schaffen.

Im freien Training versuchten wir das Motorrad abzustimmen, was uns auch teils gut gelang.

Jedoch mussten wir am Samstag noch einige Änderungen am Fahrwerk vornehmen, nachdem CorseFactory einen neuen Rahmen für die Motorräder des Cup´s zur Verfügung gestellt hat und wir die alten Einstellungen nicht mehr verwenden konnten. Für den Samstag hatten wir ein Zeittraining und das erste Rennen, wo ich mich im Quali noch einmal steigern konnte. Aber ich war immer noch nicht zufrieden mit mir selbst und dem Fahrwerk. So das wir für das Rennen nochmals eine größere Änderung machten. Ich qualifizierte mich als sechster und stand somit in der zweiten Startreihe, was eine gute Voraussetzung für die Rennen war.

Im 1. Rennen hatte ich einen guten Start und konnte mit der Führungsgruppe mitfahren. In Runde drei war ich in führender Position, was ich auch bis Runde 8 gut verteidigen konnte. Leider ist mir kurz vor Rennende das Schaltgestänge gebrochen und somit war mein Traum vom Sieg oder Podest im 1. Rennen geplatzt. Ich durchfuhr als 14. die Ziellinie. Und sicherte mir somit noch 2 Punkte in der Meisterschaftswertung, die mich nicht zufrieden stellen aber in der Gesamtwertung vielleicht noch helfen konnten. Wir waren sehr zufrieden mit der Fahrwerkseinstellung, denn ich konnte meine Rundenzeiten nochmals verbessern und ich war sehr optimistisch für das Rennen am Sonntag.

Schon im Warmup am Sonntag hatte ich ein gutes Gefühl, aber es war windiger als am Renntag zuvor, deshalb wurde die Übersetzung nochmal geändert. Ich startete wieder von Platz 6. Als die Ampel ausging hatte ich einen super Start und konnte als 3. in die erste Kurve einbiegen. Im Rennen waren wir eine große Gruppe von 5 Fahrern, die wieder um den Sieg kämpften. Ich führte wieder mehrere Runden das Feld an, fuhr teilweise die schnellsten Rennrunden. Leider ist in der letzten Runde beim Positionskampf meinem Gegner ein kleiner Fehler passiert, so dass der Sieger Torres einen kleinen Vorsprung von 0,3 sek. herausfahren konnte und dies über die Ziellinie rettete. Ich war super glücklich über das Ergebnis.

Ich danke allen Sponsoren und meinem Team für ihre geleistete Arbeit. Jetzt sind wir noch eine Woche in Spanien um zu trainieren, damit wir uns noch besser in das spanische Team einfügen zu können.

Viele Grüße aus Spanien

Euer Phillip

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